Von Bangkok aus fliege ich nach Ho Chi Minh City und freue mich auf neue Eindrücke in Vietnam. Am Flughafen angekommen herrscht der bekannte Trubel. Angehörige warten aufgeregt auf die ankommenden Passagiere und dazwischen tummeln sich aufdringliche Taxifahrer, die versuchen, Passagiere zu Festpreisen in die Stadt zu bringen.
Leider wird mir in diesem Tumult am Flughafen mein Geldbeutel geklaut und mein Start in Vietnam verläuft etwas holprig. Hoh Chi Minh City ist zudem alles andere als ein Ort, an dem man sich als Europäer sofort zu Hause fühlt. Es dauert ein paar Tage bis ich mich an Verkehr und Kultur gewöhne.
Ich setzte mich in eines der Cafes am Straßenrand und beobachte das Treiben um mich herum. Zwischen all den Autos und Motorrädern drücken sich einzelne Fahrradtaxis und Händler, die ihre Ware auf einfachen Holzkarren transportieren, durch den dichten Verkehr. Der Geruch der Abgase liegt in der Luft und knatternde Motoren und Hupen übertönen jegliches Gespräch.
Es gibt bestimmt schönere Orte, um in einem Café zu sitzen und die Menschen um sich herum zu beobachten, aber irgendwie fasziniert mich die Szene. Da verhandeln Cyclonfahrer mit Touristen und ich muss lachen, als nach einer wilden Diskussion, die mit Händen und Füßen geführt wird, am Ende der junge Tourist den Cyclonfahrer vorn auf dem Sitz platziert, aufs Fahrrad steigt und selbst fährt. Wenige Minuten später taucht eine herrenlose Kuh im Getümmel auf, überquert selbstbewußt die Straße, bleibt kurz in der Straßenmitte stehen, schaut sich um und geht weiter. Wäre diese Situation nicht ohnehin schon skuril genug, finde ich es umso lustiger, dass es wirklich niemanden zu stören scheint.
Nach einiger Zeit gewöhne ich mich auch an die ständige Geräuschkulisse und empfinde es nicht mehr als allzu unangenehm. Ich schlendere durch die engen Gassen und über Märkte und sehe mir ein paar der Sehenswürdigkeiten an. Hoh chi Minh City, die bis 1975 noch Saigon hieß, ist unterteilt in 19 Distrikte. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen zu Fuß gut erreichbar im Distrikt 1. Um die anderen zu erreichen nimmt man sich jedoch am besten ein Taxi, da das Bussystem für Touristen nur schwer verständlich ist. Etwas verwirrend finde ich auch, dass viele der Einheimischen die Namensänderung ihrer Stadt nicht akzeptiert haben, denn so spricht jeder weiterhin von Saigon, obwohl nur ein kleiner Stadtteil offiziell noch diesen Namen trägt.
Trotz der beachtlichen Größe und circa 7,1 Millionen Einwohnern verfügt die Stadt über kein Straßenbahn oder U-Bahnnetz, was auch den dichten Verkehr erklären dürfte. Aber ein solches ist in Planung und man kann schon an einzelnen Punkten der Stadt die Bauarbeiten hierfür sehen.
Hoh Chi Minh ist auf jedenfall einen Besuch wert, ich bleibe 4 Tage in der Stadt, kläre nebenbei die Angelegenheit des Diebstahls mit meiner Bank in Deutschland und reise anschliessend weiter Richtung Mekong Delta.


