Shanti, Shanti, Shanti – Frieden in Körper, Geist und Seele. Ich gebe zu, ich kannte die Bedeutung des dreifachen Shantis auch nicht genau, bevor ich mich in Vietnam zu einem Yoga Retreat entschied. Eine Woche ganz im Einklang mit mir selbst, auf der Suche nach innerem Frieden und mehr Gelassenheit. Das war eine anstrengende und ungewöhnliche Woche, hat sich aber gelohnt. Ich kann jetzt nicht nur den Kopfstand, sondern habe auch sonst einiges über mich selbst gelernt.
Yoga, Meditation und ich haben noch keine allzu lange Geschichte. Vor ungefähr einem Jahr besuchte ich die ersten Yoga- und Entspannungskurse während eines Rehaufenthalts. Ich war zunächst skeptisch, da mir das ganze doch recht langweilig aussah. Da man mir jedoch sagte es helfe meinen Rückenschmerzen war ich motiviert.
Anfangs war ich nur mittelmäßig erfolgreich. Ich bin in den Entspannungsphasen oft eingeschlafen und die einzelnen Asanas (Übungen) taten meinem Rücken mal gut und ein andermal konnte ich mich anschließend kaum noch bewegen.
Während meiner Reise durch Südostasien habe ich angefangen, mich mit dem Thema Yoga und Meditation mehr auseinanderzusetzen und habe unterwegs verschiedene Studios besucht. Im Internet bin ich dann auf das Sivananda Yoga Center in Dalat gestoßen und habe mich für ein einwöchiges Retreat dort angemeldet. Beziehungsweise beworben, denn entgegen meiner Vorstellung muss man einige Auflagen erfüllen, um angenommen zu werden.
Ein Retreat in einer Yoga Schule hat weniger mit einem Urlaub im Spa zu tun. Hier wird man nicht massiert und hüpft auch nicht zu Musik um den Pool. Es ist vielmehr eine Art spiritueller Rückzug und bedeutet Verzicht auf äußere Einflüsse und Entschleunigung. Man lässt sich in der Zeit, in der man dort ist, auf den Alltag der Yogis ein und macht soviel mit wie man kann und will.
Ein paar Regeln an die man sich halten sollte:
- Verzicht auf Alkohol, Zigaretten, Knoblauch und Zwiebeln
- vegane Ernährung
- regelmäßiges Selbststudium
- die Bereitschaft sich der Gemeinschaft im Center anzupassen
Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich den Tagesablauf und es fiel mir schwer morgens um 6 Uhr bei der Meditation nicht einzuschlafen und auch Satsang war völlig neu für mich. Nach ein paar Tagen habe ich mich aber auch an die in Sanskrit geschriebenen Sprechgesänge gewöhnt und konnte ein paar Zeilen mitsingen.
Der Tagesablauf im Sivananda Yoga Center:
5.30 Aufstehen
6.00 – 7.15 Morgenmeditation und Satsang
7.30 – 9.00 Yoga
12.00 – 13.00 Mittagessen
13.00 – 14.00 Kharma Yoga
ab 14.00 Selbststudium oder Freizeit
17.30 – 19.30 Yoga
19.30 Abendessen
20.30 Meditation und Satsang
Das Leben im Sivananda Yoga Center empfand ich als sehr angenehm, mit mir dort zu Gast waren eine Schwedin, eine Kanadierin, eine Deutsche und eine Amerikanerin sowie 4 Yogalehrerinnen, die dauerhaft in dem Center leben.
Zwei Yogakurse pro Tag war mir zuviel, ich habe es kaum bei der Morgenmeditation geschafft die komplette Zeit gerade zu sitzen und so nahm ich jeweils nur am Abendkurs teil.
Ich habe in der Woche viel über Yoga gelernt und verstehe jetzt die Zusammenhänge wesentlich besser. Yoga, wie ich es bislang nur aus sportlicher Sicht gesehen habe, ist für mich mehr zu einer Art Lebensstil geworden und ich versuche weiterhin so gut es geht täglich zu üben.
Ich werde in Zukunft bestimmt kein Veganer und morgens um 6.00 meditieren war auch nicht unbedingt mein Ding, aber ich habe sehr viel mitgenommen in dieser Woche und kann es daher nur weiterempfehlen sich mal auf ein Retreat einzulassen.
Was mir Yoga und Meditation bringen:
- Ich bin deutlich ruhiger. In meinem Kopf kreisen ständig Gedanken mit Höchstgeschwindigkeit und ich plane und überlege immer. Meditation hilft mir dabei meine Gedanken zu kontrollieren. Meine Gedanken kontrollieren nicht mehr mich.
- Ich bin sensibler was meine eigenen Empfindungen angeht und kann gezielt darauf einwirken
- durch die Asanas kräftige ich unter anderem meine Rückenmuskulatur
- Ich lebe gesünder und habe ein Bewusstsein dafür entwickelt was mir gut tut und was nicht, das betrifft auch körperliche Grenzen, die ich jetzt viel eher wahrnehme.



