Khao Lak – ein komisches Gefühl bleibt

Nach ein paar entspannten Inseltagen auf Koh Lanta mache ich mich auf an der Ostküste entlang Richtung Kao Lak, um mir dort das Tsunami-Denkmal und das Museum, welches dort errichtet wurde, anzusehen. Zudem interessiert es mich, wie die Region heute gut 10 Jahre nach der Naturkatastrophe aussieht und sich entwickelt hat.

Da es mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr aufwändig ist nach Khao Lak zu gelangen, entscheide ich mich dieses Mal für eine vom Reisebüro organisierte Tour, die den Transport inklusive Fähre übernimmt. Meist sind diese Komplettangebote etwas teurer als der öffentliche Fernverkehr, dafür wird man in einem klimatisierten Van transportiert und hat keine langen Wartezeiten an Busbahnhöfen oder am Fähranleger. Hört sich doch ganz komfortabel an, denke ich mir, doch als ich in einem stickigen Kleinbus auf der Rückbank eingequetscht zwischen anderen Touristen sitze und mein Gepäck auf dem Schoß habe, ändere ich meine Meinung.

Zunächst gehe ich davon aus, diesen Platz für die nächsten Stunden nicht mehr zu verlassen und verharre in meiner misslichen Lage, doch ich wechsle noch dreimal inklusive meines Gepäcks das Fahrzeug. Immer wieder steigen alle Passagiere aus, wir werden gefragt, wo wir hinwollen und bekommen dafür einen einfarbigen Aufkleber, den ich mir immer wieder brav aufs T-Shirt klebe. Nach mehr oder weniger langem Warten wird dann die Farbe aufgerufen und ich klettere wieder in einen Van.

Schließlich und endlich sitze ich wieder eingequetscht auf der Rückbank, als der Fahrer in schlechtem englisch murmelt: „Next stop Khao Lak“. Nicht nur ich schnappe immer wieder nach Luft, sondern auch den anderen Fahrgästen sind die Strapazen der letzten Stunden anzusehen. Einigen steht der Schweiß auf der Stirn und eine genervte Grundstimmung liegt in der ohnehin schon stickigen Luft. Als der Fahrer dann auch noch 2 Minuten, nachdem wir losgefahren sind, an einer Tankstelle hält, höre ich nur ein Stöhnen aus einer der vorderen Reihen „des hätt ma alles vorher erledige könne, in Deutschand täts des net gebbe“. „Wundervoll“ denke ich, das wird eine lustige Fahrt. Nach knapp 2 Stunden erreichen wir das Ziel und ich bin gespannt,was mich hier erwartet.

Bars und Geschäfte
Bars und Geschäfte

 

Khao Lak dürfte vielen Menschen spätestens seit dem 26. Dezember 2004 ein Begriff sein, als vor mehr als 10 Jahren das thailändische Urlaubsparadies an der Ostküste Thailands von einer meterhohen Welle überschwemmt wurde. Seit ich in Thailand bin, sind mir die Bilder vom 2.Weihnachtsfeiertag 2004 wieder präsent. Schon auf Phuket fielen mir die ausgewiesenen Evakuierungsrouten auf und auf Koh Phi Phi Don ist das „Tsunami Village“ an jeder Straßenkreuzung ausgeschildert. Zusammen mit gut sichtbaren Fluchttürmen in Strandnähe gehören diese zum Tsunami-Frühwarnsystem, welches seit der Katastrophe überall installiert wurde. Im Falle eines Tsunamis können die Menschen bis zu 100 Minuten im Voraus über Sirenen gewarnt werden und über Fluchtwege ins Landesinnere fliehen.

 

Die Urlaubsregion Khao Lak liegt knapp 60 Kilometer nördlich von Phuket und besteht aus mehreren kleinen Ortschaften, die an kilometerlangen goldgelben Sandstränden liegen. Als ich an der Hauptstraße abgesetzt werde und mich zu Fuß auf den Weg mache, fällt mir auf, dass einige Restaurants und Geschäfte Werbebotschaften in mehr oder weniger korrektem Deutsch formuliert haben. So scheint mir demnach Kao Lak ein sehr beliebtes Ziel deutscher Urlauber zu sein. Hingegen meiner Erwartungen stelle ich jedoch freudig fest, dass der Strand nicht überfüllt ist. Keine mit Handtüchern reservierten Strandliegen und ein Meer aus Sonnenschirmen zerstören die Idylle. Stattdessen wechseln sich Strandbars mit kleineren Hotelanlagen sowie Resorts ab und die Gästeanzahl ist durchaus überschaubar. Es herrscht eine angenehme Ruhe und man kann stundenlang den Strand hinauf oder hinunter laufen, ohne auch nur einem Strandverkäufer zu begegnen. Einige Kinder bauen Dämme und Sandburgen, während die Eltern sich dahinter in einer Bar an einem Kaltgetränk festhalten. Man merkt, dass dies hier eher ein ruhiger und familienfreundlicher Badeort ist ohne großen Trubel und außerordentliche Partyszene. Auch begegnen mir hier nur wenige Backpacker.

Als ich den Strand entlang schlendere, fällt mir ein Baum ins Auge, unter dem einige Spielsachen liegen und der aufwändig geschmückt wurde. Als ich näher trete, erkenne ich Fotos, die in Folie eingeschweisst an den Baum geheftet wurden. In mehreren Sprachen haben hier Menschen Fotos ihrer Angehörigen aufgehängt, um an sie zu erinnern. All diese Menschen verloren 2004 in den Fluten ihr Leben. Ich merke, wie sich in meiner Magengegend alles zusammenzieht und auch andere Spaziergänger bleiben neben mir stehen und betrachten schweigend die Bilder. Unvorstellbar, wie das Meer, das ruhig hinter uns liegt so vielen Menschen das Leben nehmen konnte.

Am nächsten Morgen mache ich mich dann auf in Richtung Tsunamie Memorial Park. Ich folge einfach der Hauptstraße und schon bald sehe ich eine meterhohe Steinsäule mit der Aufschrift „813 Tsunamie Memorial Park“. Hier befindet sich auch nach wenigen Metern das Polizeiboot 813, welches damals ins Landesinnere gespült wurde. Man ließ es zur Erinnerung an die Ereignisse dort stehen und baute ringsrum alles wieder auf und errichtete ein paar Meter weiter ein aus Marmor gefertigtes Denkmal in Form einer Welle. Dieses Denkmal ist an die 10 Meter hoch und soll die Höhe und die Kraft symbolisieren. Dahinter befinden sich ein paar Stände, an denen Frauen recht lustlos Wasser und Snacks verkaufen. Hinter ihnen hängen ausgeblichene Fotos der zerstörten Häuser und ein Plakat mit Namen und Fotos der Männer, die in dem Polizeiboot ihr Leben ließen.

813 Tsunamie Memorial Park
813 Tsunamie Memorial Park

 

 

Die Mittagssonne brennt und es ist unerträglich schwül. Kein Wunder, dass ich einer der wenigen Besucher des Parks bin. Ich betrachte die Bilder und mache ein paar Fotos. Als ich ins Innere des wellenförmigen Denkmals gehe, stolpere ich fast über einige schlafende Hunde, die dort liegen und mich müde von unten anschauen. Es scheint fast, als seien sie es nicht gewohnt, hier in der Mittagsruhe gestört zu werden. Ich steige über sie und mir fällt auf,  wie angenehm kühl es zwischen den Steinen ist. Kein schlechter Platz also, um sich vor der Hitze zu drücken.

schlafende Hunde im Tsunamie-Denkmal
schlafende Hunde im Tsunamie-Denkmal

Als ich hinüber zum Polizeiboot gehe, fällt mir auf, dass inzwischen noch andere Besucher außer mir da sind. Ein junges Paar sitzt im Schatten des Bootes und ich höre, wie sie sich leise auf deutsch unterhalten. Der junge Mann schluchzt ganz leise und erzählt von dem Tag, als er den Anruf erhielt, seine Eltern seien von der Flutwelle erfasst und werden bis auf Weiteres als vermisst erklärt. Mir wird wieder ganz anders bei dem Gedanken daran und ich gehe unbemerkt von den Beiden Richtung Ausgang.

 

Ich bleibe noch ein paar Tage in Khao Lak und erkunde mit einem geliehenen Mountainbike die Gegend, die nicht nur in Strandnähe wunderschön ist. Zwischen meinen Ausflügen gönne ich mir immer wieder ein paar entspannte Stunden am Meer, jedoch nie ohne dieses aus den Augen zu lassen…ein komisches Gefühl bleibt.

 

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